„Sei ein Goldfisch!“ – Das rät der fiktive Fußballtrainer Ted Lasso aus der gleichnamigen Erfolgsserie einem seiner Spieler nach einem Fehler. Der Grund für diesen Ratschlag? Goldfische hätten angeblich bloß ein Gedächtnis von drei Sekunden. Somit wären Fehler, Niederlagen und Schmerzen bereits nach drei Sekunden wieder völlig vergessen.
Das ist eine wirklich schöne Vorstellung für den Alltag. Leider ist sie aus biologischer Sicht kompletter Unsinn. Der Mythos vom Fisch Gedächtnis von 3 Sekunden ist einer der hartnäckigsten Irrtümer unserer Zeit. Der renommierte australische Biologe Callum Brown bezeichnet dies sogar als einen der größten Mythen der gesamten Biologie.
Die Realität sieht nämlich ganz anders aus: Goldfische – und natürlich auch unsere Kois – können Erfahrungen deutlich länger abspeichern. Wir reden hier nicht von Sekunden, sondern von Wochen, Monaten und sogar weit darüber hinaus.
Wenn das Koi Gedächtnis tatsächlich nach drei Sekunden gelöscht würde, sähe das Leben deiner Teichfische völlig absurd aus. Der Koi würde praktisch in einer neurologischen Endlosschleife leben. Jede einzelne Mahlzeit wäre für ihn eine völlig neue, unerwartete Überraschung. Eigentlich ein beneidenswerter Zustand: Hundert Mal am Tag Weihnachten!
Aber die Wissenschaft beweist das Gegenteil. Fische lassen sich darauf trainieren, bestimmte Orte, Signale oder Futterquellen wiederzuerkennen, und sie erinnern sich noch lange Zeit später daran. Bei Karpfen wissen wir sicher, dass sie Erfahrungen speichern, aus Fehlern lernen und ihr Verhalten langfristig anpassen können. Der Gedanke, dass das Koi Gedächtnis nach drei Sekunden verblasst, hat also in etwa so viel mit der Realität zu tun wie die Annahme, Kois seien bloß bunte Teichdekoration.
Warum aber halten wir Fische seit Jahrhunderten für dumm? Ein Hauptgrund dafür ist das, was ich das „Problem der zwei Welten“ nenne.
Wir Menschen befinden uns hier oben an Land. Die Fische befinden sich dort unten im Wasser. Dazwischen liegt eine harte Grenze: die Wasseroberfläche. Wir kennen und beurteilen die Welt nur von unserer Seite aus. Die Welt unter Wasser ist für uns unergründlich und nur schwer zu verstehen. Das Leben dort funktioniert grundlegend anders als unseres.
Egal ob Gerüche, Geräusche, Kommunikation oder Orientierung – all das erleben und verarbeiten Fische auf eine Art und Weise, die wir als Menschen kaum nachvollziehen können.
Es gibt noch einen weiteren, anatomischen Grund, warum wir Kois oft unterschätzen: Das Karpfen Gehirn sieht völlig anders aus als das menschliche Gehirn.
Fischen fehlt beispielsweise der sogenannte Neokortex. Das ist genau der Bereich, der bei uns Säugetieren dafür verantwortlich ist, höhere geistige Leistungen zu vollbringen. Da dieser Teil den Fischen fehlt, zogen viele Wissenschaftler in der Vergangenheit einen folgenreichen, aber falschen Schluss: Ohne Neokortex, so dachte man,können Fische keine kognitiven Höchstleistungen erbringen. Manche Forscher leiten daraus bis heute ab, dass Fische keine Schmerzen spüren könnten. (Andere Wissenschaftler halten dagegen und belegen, dass andere Hirnareale bei Fischen diese Aufgaben übernehmen – die Schmerz-Debatte wird uns also noch länger begleiten).
Aber wir wissen heute: Evolution funktioniert nicht so eindimensional. Schauen wir uns die Gehirnmasse an: Selbst bei einem stattlichen Koi von 80 bis 90 Zentimetern Länge reden wir nur von wenigen Gramm Gehirn. Und trotzdem können diese Tiere lernen, sich erinnern, Individuen unterscheiden und Erfahrungen langfristig abspeichern.
Genau diese anatomischen Unterschiede machen die Vorstellung vom 3-Sekunden-Gedächtnis so absurd. Ein kleines Gehirn ist nicht automatisch ein dummes Gehirn. Nur weil ein Koi eine Aufgabe nicht mit dem exakt gleichen Gehirnareal löst wie wir Menschen, heißt das noch lange nicht, dass er sie nicht lösen kann.
Das Gehirn eines Fisches ist schlichtweg anders organisiert. Wir machen den Fehler, die Intelligenz eines Kois danach zu beurteilen, wie ähnlich sein Gehirn dem unseren ist. Dabei müssen wir eine ganz andere Frage stellen: Wie gut ist das Gehirn darin, ein Fisch zu sein?
Die Antwort: Verdammt gut! Bei Fischen findet man beispielsweise eine ausgeprägte Arbeitsteilung zwischen der linken und rechten Gehirnhälfte (Lateralisation). Das verschafft ihnen bei bestimmten Überlebensaufgaben enorme Vorteile und verhilft ihnen möglicherweise sogar zur Fähigkeit des echten Multitaskings. Und das würde meine Kois am Ende des Tages vielleicht sogar schlauer machen als mich!
Nein, das ist ein weit verbreiteter biologischer Mythos. Kois und andere Karpfenartige haben ein ausgezeichnetes Gedächtnis. Sie können sich über Wochen, Monate oder sogar noch länger an Orte, Futterquellen, Gefahren und sogar an Personen erinnern.
Dieser Irrtum beruht oft auf dem anatomischen Unterschied der Gehirne. Da Fischen der Neokortex (der Teil im Säugetiergehirn für höhere kognitive Leistungen) fehlt, wurde fälschlicherweise angenommen, sie seien zu keinerlei Gedächtnisleistung fähig.
Ja, definitiv. Studien an Karpfen zeigen, dass sie Gelerntes langfristig abspeichern. Wenn sie beispielsweise negative Erfahrungen mit einem bestimmten Angelköder machen, passen sie ihr Verhalten an und meiden diesen in Zukunft.
Lateralisation beschreibt die Arbeitsteilung zwischen der rechten und linken Gehirnhälfte. Diese Organisation hilft Fischen dabei, unterschiedliche Reize gleichzeitig extrem effizient zu verarbeiten, was sie regelrecht zu Multitasking-Profis unter Wasser macht.
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